Im Rahmen der Grünen Woche fand vom 21. bis 22. Januar das 19. Zukunftsforum Ländliche Entwicklung statt. Unter dem Leitthema „Land: Raum für Zukunft – Flächen und Gebäude klug nutzen, Heimat gemeinsam gestalten“ diskutierten Experten in über 30 Fachforen über Flächenkonkurrenz, neue Begegnungsorte und den klugen Umgang mit Leerstand.
Fachforum 10: Nachhaltige Baukultur als Schlüssel
Auch die Arge (Arbeitsgemeinschaft der Akademien Ländlicher Raum) leistete mit dem Fachforum 10 einen Beitrag. Unter dem Titel „Nachhaltige Baukultur – Mehrgewinn durch Mehrfachnutzung“ moderierten Dr. Anette Schneider-Reinhardt (Stadt-Land Sachsen-Anhalt e.V.) und Silke Franke (ALR Bayern) die Veranstaltung. Im Zentrum stand die Frage: Wie können wir der Flächenknappheit durch intelligente Transformation und Mehrfachnutzung begegnen?
Den fachlichen Auftakt machten Philipp Deilmann und Ann-Katrin Ludwig (Städtebau-Institut der Universität Stuttgart). Sie präsentierten eine Studie zur Siedlungsstruktur in Baden-Württemberg. Während enge Ortskerne oft Infrastruktur und Nahversorgung bündeln, dominieren in den Randlagen monofunktionale Einfamilienhäuser. Besonders spannend ist der „Grenzraum“ zum Außenbereich. Hier liegen Chancen für:
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Die ökologische Vernetzung (Hecken, Wasserflächen),
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Die ästhetische Gestaltung von Infrastruktur (Radwege, Maschinenhallen),
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Gezielte Nachverdichtung und die Aufstockung von Gewerbebauten.
Praxisbeispiel 1: Wohnen über dem Supermarkt
Wie Mehrfachnutzung konkret aussieht, zeigte Prof. Christian Schühle. Er entwarf in Bayern einen Supermarkt in Holzbauweise, auf dessen Dach Ein- und Zweizimmerwohnungen entstanden sind. Das Projekt ermöglicht es jungen Menschen und Senioren, im Ort zu bleiben. Die Detailplanung reichte von der Lärmschutzeinkapselung der Anlieferung bis hin zu geräuscharmen Einkaufswagen, um die Wohnqualität zu sichern.
Praxisbeispiel 2: Die Herausforderung der Neubaugebiete
Jürgen Römer (Akademie für Forschung und Planung Hessen e.V.) warf einen kritischen Blick auf die Einfamilienhaus-Siedlungen des letzten Jahrhunderts. Basierend auf der Studie „Leben vor der Stadt“ (Wüstenrot Stiftung) verdeutlichte er, dass diese Gebiete oft zu „Problemzonen“ werden: Nach der Familienphase sind sie energetisch sanierungsbedürftig, zu groß und mangels Infrastruktur kaum altersgerecht. Sein Appell: wir als Gesellschaft müssen strategisch und jetzt Konzepte für die Transformation dieser riesigen Wohnflächen entwickeln.
Praxisbeispiel 3: Bürgerengagement gegen Leerstand
Aus Sachsen-Anhalt berichtete Bürgermeister Reinhard Falke über die Gemeinde Ummendorf. Nach massivem Leerstand in den 1990er-Jahren gelang es dort durch Fördermittel und hohes bürgerschaftliches Engagement, den Ort neu zu beleben. Heute dienen ein Vierkanthof als Domizil für über 30 Vereine, eine alte Pfarrscheune als integratives Zentrum sowie die Burg als Standort für Museum und Grundschule. Ein gutes Beispiel für lebendige Begegnungsorte.
Fazit und Ausblick
Das Fachforum hat verdeutlicht:
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Begegnungsorte sind das Herzstück einer funktionierenden Dorfgemeinschaft.
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Mehrfachnutzung spart wertvolle Flächen und schafft Synergien.
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Strategische Planung muss auch den Bestand der Nachkriegsjahrzehnte in den Blick nehmen.
Wir kehren mit vielen wertvollen Impulsen nach Schleswig-Holstein zurück und freuen uns darauf, diese Ideen in unsere tägliche Arbeit einfließen zu lassen.