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Neues Leben auf alten Höfen – Beratung zur Inwertsetzung der landwirtschaftlichen Baukultur (Kooperation)

Ort

Itzehoe

Förderprogramm & Schwerpunkt
Thema

Gemeinschaft & Begegnung | Ortskernentwicklung

Projektlaufzeit

2018, 2019, 2020

Gesamtkosten

183.855,00 €

davon 100.000,00 € gefördert

Projektbeschreibung

Für die Projektlaufzeit von drei Jahren (Juni 2018 – Mai 2021) soll im gesamten Kreis Steinburg (Projektgebiet) ein Beratungsangebot für Eigentümer von erhaltenswerten historischen Gebäuden oder Kulturdenkmalen mit landwirtschaftlichem Bezug (Fachhallenhäuser, Barghäuser, Scheunen, Katen sowie Wohn- und Wirtschaftsgebäude) angeboten und die Ergebnisse dokumentiert werden. Das Projektgebiet wird auf das gesamte Kreisgebiet inklusive des Amtes Kellinghusen (als Teilgebiet der AktivRegion Holsteiner Auenland) ausgeweitet, da der Projektträger das gesamte Kreisgebiet repräsentiert. Die erforderlichen Berater (Architekt/innen und Bauhistoriker/innen mit Erfahrung im Umgang mit historischer Bausubstanz) werden gem. § 50 UVgO im Wettbewerb ausgewählt. Sie werden beauftragt, die Beratung durchzuführen und die Ergebnisse zu dokumentieren. Die Beratung umfasst zwei Module:

  • Eigentümer bzw. in Ausnahmefällen auch ernsthafte Kaufinteressenten von erhaltenswerten und kulturlandschaftsprägenden Gebäuden oder Kulturdenkmalen mit landwirtschaftlichem Bezug können eine kostenfreie Erstberatung (bis max. 250,00 Euro) erhalten. Nach der Erstberatung legt der zu Beratende fest, ob die Ideen weitergeführt werden, ein Nutzungskonzept erstellt werden soll und welche Behörden weiter eingebunden werden sollen.
  • Sofern dann Bedarf besteht, werden erste Erhaltungs- und Nutzungsperspektiven entwickelt und Konzepte für die Erhaltung, Nach- und Umnutzung der Gebäude mit Vorentwurfsplanung erstellt. Dabei soll auch die energetische Optimierung der Gebäude einbezogen werden. Der Umfang dieser Leistungen beträgt bis max. 2.500,00 Euro pro Objekt. Hierbei haben die Eigentümer einen Eigenanteil von 10% zu tragen.
  • Die beauftragten Gutachter stellen dem Projektträger die Kosten für die Erstberatung komplett und die nicht vom Eigentümer getragenen Kosten für die Nutzungskonzepte in Rechnung.

Um das Beratungsangebot im Projektgebiet bekannt zu machen und potenzielle Interessenten zu informieren und für die Beratung zu gewinnen, wird der Träger ein externes Projektmanagement beauftragen. Dieses dokumentiert auch den Gesamterfolg des Projektes. Es wird davon ausgegangen, dass gerade zu Beginn der Projektlaufzeit der organisatorische Aufwand etwas erhöht sein wird. Gleiches gilt für die Endphase des dreijährigen Projektes mit Projektauswertung und Abschlussdokumentation. Die Ansprache der Eigentümer soll breit gestreut über verschiedene Kommunikationswege erfolgen. Im Sinne einer „Nachfrage-Beratung“ soll die Initiative zur Erstberatung vom Eigentümer selbst ausgehen. Im Stadium der Erstberatung werden keine inhaltlichen Angaben, die Auskunft über das Beratungsobjekt geben, an den Projektträger weitergeleitet, um Ängsten vor Auflagen, die durch einen besonderen Denkmalschutzstatus hervorgerufen werden könnten, zu begegnen. Der Projektträger verpflichtet sich darüber hinaus im Rahmen des Förderprojektes keine objekt- und personenbezogenen Daten an die obere Denkmalschutzbehörde weiterzugeben. Sofern bei der Erstellung von Erhaltungs- und Nutzungskonzepten gelistete Kulturdenkmale betroffen sind, ist in Abstimmung mit den Antragstellern eine beratende Einbindung der Denkmalschutzbehörde für eine erfolgreiche Umsetzung der Konzeptstudien förderlich. Das Projekt wird insgesamt mit 100.000,00 Euro gefördert. Davon entfallen 17.210,93 Euro auf die AktivRegion Holsteiner Auenland.

Ausgangslage

Das Forschungsvorhaben Regiobranding des Bundesministeriums für Bildung und Forschung beschäftigt sich mit den charakteristischen Merkmalen von Kulturlandschaften und deren Wahrnehmung. Vor gut zwei Jahren startete das Forschungsprojekt in der Fokusregion „Steinburger Elbmarschen“ mit Verbundpartnern aus Wissenschaft und Praxis. Mit dem Projekt Regiobranding soll eine Grundlage geschaffen werden, die Identifikation der Bürger/innen mit der Region und ihrer Kulturlandschaft zu intensivieren und zu festigen. Ziel ist, das Engagement für die Erhaltung der Landschaftsqualitäten vor Ort zu steigern und damit das Außenbild der Region attraktiver zu machen. Während des Regiobranding-Prozesses in der Fokusregion hat sich eine Arbeitsgruppe gebildet, die sich insbesondere mit der Eigenart und den aktuellen Herausforderungen zum Erhalt und zur Weiterentwicklung der regionalen Baukultur beschäftigt. Die regionale Baukultur ist ein wichtiger und ganz wesentlicher Bestandteil der Kulturlandschaft. Das bestätigen auch die Ergebnisse der im Forschungsvorhaben durchgeführten Haushaltsbefragung und qualitative Interviews. Dort wurden von den Befragten die historischen Ortskerne mit ihren Marktplätzen und Kirchen sowie die Geschichte Glückstadts als besondere Merkmale der Region herausgestellt. Aber auch die Hauslandschaft der Elbmarschen mit den beiden Bauernhaustypen, dem Fachhallenhaus mit Durchgangsdiele und dem Barghus, das nur in der Wilstermarsch zu finden ist, wurden als charakteristisch und identitätsstiftend erkannt. Der Strukturwandel in der Landwirtschaft sowie die anhaltende Milchkrise führen seit Jahren zu einem Sterben der landwirtschaftlichen Höfe. Einhergehend mit dem Prozess des demografischen Wandels kommt es zunehmend zu Leerständen und zum Verfall von wertvollen und kulturlandschaftsprägenden Gebäuden im ländlichen Raum. In den Elbmarschen sind dadurch auf Dauer auch die charakteristischen Marschensiedlungen in ihrem Bestand und in ihrer Wahrnehmung bedroht. In den im Rahmen des Forschungsprojektes geführten Diskussionen wurde immer wieder auf fehlenden Beratungsangebote für die Probleme und Sorgen der Hauseigentümer hingewiesen. Dabei standen folgende Fragen im Vordergrund: Welche Möglichkeiten der Nutzung und Umnutzung bestehen und welche baurechtlichen Aspekte sind dabei zu berücksichtigen? Wie können die zumeist großen landwirtschaftlichen Gebäude erhalten, modernisiert und energetisch aufgewertet werden? Wie hoch ist der Kostenaufwand und welche Fördermöglichkeiten bestehen? Nur mit einer guten Wissensgrundlage und tragfähigen Konzepten für die erhaltenswerten Gebäude können Perspektiven für die besondere Hauslandschaft der Steinburger Elbmarschen und des Kreises Steinburg aufgezeigt werden. Mit Unterstützung der Aktiv-Region Steinburg entstand die Projektidee der „Kümmerer für die Steinburger Hauslandschaft“. Dabei soll die Förderung von Eigentümer/innen von erhaltenswerten und kulturlandschaftsprägenden Gebäuden oder Kulturdenkmalen mit landwirtschaftlichem Bezug beantragt werden können. Die Förderung bezieht sich dabei auf Fachhallenhäuser, Barghäuser, Scheunen, Katen sowie Wohn- und Wirtschaftsgebäude, die in der Regel vor 1945 errichtet wurden. Voraussetzung einer Förderung ist, dass die Bausubstanz ortsbild- bzw. landschaftsbildprägend ist. Von der Fördermöglichkeit innerstädtischer Gebäude ohne landwirtschaftlichen Bezug wurde aus folgenden Gründen Abstand genommen:

  • Eine Abgrenzung von Förderobjekten wäre dann schwierig.
  • Im innerstädtischen Bereich greifen andere Fördermöglichkeiten wie z.B. die Städtebauförderung.
  • Die Nutzung bzw. Nachnutzung und der Erhalt historischer landwirtschaftlicher Gebäude stellen aufgrund der Größe, konstruktiver Gegebenheiten und der überwiegenden Lage zumeist eine große Herausforderung dar. Die Eigentümer sind oft ratlos und überfordert, die Vorurteile und Ängste überwiegen, sodass die für die Region typischen ländlichen Bauten in ihrem Bestand besonders gefährdet sind. Ohne eine fachliche, finanzielle und auch mentale Unterstützung werden diese erhaltenswerten und die Kulturlandschaft prägenden Haustypen nach und nach verloren gehen, befördert durch den Strukturwandel in der Landwirtschaft und aktuelle Krisen (Milchkrise).
  • Das Thema „Daseinsvorsorge“ besitzt im ländlichen Raum deutlich höhere Relevanz als in den Städten, da in den (zentralen) Orten mit Versorgungsfunktion zukünftig geringere Bevölkerungsrückgänge zu erwarten sind als in den peripher gelegenen Bereichen (vgl. Kleinräumige Bevölkerungsprognose des Kreises Steinburg 2017, S. 52).

Entwicklungsziele

Das Projekt stellt eine „Maßnahme zur Entwicklung und Umsetzung von Konzepten (z. B. regionales Daseinsvorsorgekonzept, Ortskernkonzept, Leerstandsmanagement)“ im Kernthema „Nachhaltige Daseinsvorsorge“ dar. In der Kostenkalkulation wird davon ausgegangen, dass circa in der Hälfte der Gemeinden im Kreis Steinburg Bedarf für ein bis zwei Erstberatungen besteht. 50 % dieser Erstberatungen werden voraussichtlich in eine Umnutzungskonzeption münden:

  • 84 Erstberatungen (ca. 21.000 € Honorarvolumen)
  • 42 Umnutzungskonzepte (ca. 105.000 € abzüglich des Eigenanteils von 10%) während der Projektlaufzeit
  • Aufgrund der Budgetgrenze erfolgt die Auswahl der Objekte nach zeitlichem Eingang der Beratungsanfragen und fachlicher Empfehlung des Projektmanagements.

Im Projekt werden folgende Indikatoren vom Projektmanagement erhoben und dokumentiert:

  • Ausgelöste Investitionen gesamt und unterteilt nach Investitionen in Ortskernen und im Außenbereich auf Basis der Umnutzungskonzepte, Zielinvestition: 1,5 Mio. €
  • Anzahl der Erstberatungen, Ziel: 50
  • Anzahl der erstellten Umnutzungskonzepte, Ziel: 30
  • Davon: modellhafte Konzepte/ Vorhaben: 5
  • Anzahl geschaffener Arbeitsplätze auf Basis der Umnutzungskonzepte, Ziel: 2
  • Anzahl gesicherter oder neu etablierter Angebote der Daseinsvorsorge, Ziel: 3
  • Anzahl der Projekte, die eine Reduzierung des CO2-Ausstoßes (z.B. durch energetische Sanierungsmaßnahmen) beinhalten. Der Nachweis erfolgt auf Basis der Umnutzungskonzepte, Ziel: 6.

Mit dem kostenlosen Beratungsangebot soll ein niederschwelliges Erstberatungsangebot geschaffen werden, um Eigentümern die Möglichkeit zu bieten, sich über mögliche Umnutzungs- bzw. Nachnutzungsalternativen zu informieren. Ziel ist sowohl die fachliche Beratung als auch das Aufzeigen von finanziellen Unterstützungsangeboten und Fördermöglichkeiten, um die Eigentümer nicht nur ideell sondern auch finanziell zu unterstützen. Langfristig geht es um den Erhalt der kulturlandschaftsprägenden Haustypen in dieser Region und die Unterstützung der Hauseigentümer beim Erhalt sowie der Um- und Weiternutzung dieser identitätsstiftenden regionalen Baukultur.

Wirkung der Maßnahme

Die Maßnahme wirkt während der Umsetzung auf die kernthemenübergreifenden AktivRegions-Ziele: Arbeitsplätze, Entwicklung und Erprobung modellhafter Lösungen sowie auf die kernthemenrelevanten Ziele: geschaffene Arbeitsplätze, modellhafte Konzepte und Vorhaben, gesicherte und geschaffene Angebote sowie ausgelöste Investitionen, welche über das Projektmanagement dokumentiert werden.